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                   Tina  bei  einem  Live -Auftritt  

Interview mit Fred Lühne - geführt am 22. 01. 09 mit TINA RAINFORD - gesendet
auf Radio MDU - bei der Sendung "Schlagerrendezvous" am 15. 02. um 20 Uhr

Fred: Bei uns jetzt zu Gast Tina Rainford auf RADIO MDU mit ihrem Titel
"Einmal wird es Sterne regnen".

(Gespielt) "Einmal wird es Sterne regnen".

Fred: Es ist mir eine große Ehre, heute eine Dame am Telefon begrüßen zu dürfen, die ich seit Jahren sehr schätze und eine Dame, die meinen allergrößten Respekt verdient hat. Ich sage herzliche Grüße nach Mallorca.
Küss die Hand. Guten Abend im Schlagerrendezvous. Tina Rainford, grüß Dich.

Tina: Ja, hallo grüß Dich.

Fred: Liebe Tina, erstmal ein herzliches Dankeschön und dass Du Dich für ein Interview zur Verfügung stellt. Es ist ja nicht selbstverständlich für mich.

Tina: Das mache ich sehr gerne.

Fred: Meine erste Frage: Du lebst ja jetzt in Mallorca. Wie geht es Dir denn?

Tina: Gut geht es mir. Ich sitze hier - allerdings ist es ein bisschen frisch in Moment - ich bin in eine Decke eingehüllt und habe unsere Katze Mau-Mau auf dem Schoss. Und es geht mir sehr gut.

Fred: Das hört sich aber ganz süß an. "Einmal wird es Sterne regnen", das war der Titel, den wir eben gerade gehört haben und ein Titel, mit dem Du 2008 wieder ganz viel Erfolg hattest. Auch in meiner Hitparade 2 x Platz 1, 2 x Platz 2 und 2 x Platz 3.
Ganz herzliche Gratulation dafür. Es ist ja ein Titel, der wirklich auch zu Dir passt und mit dem Du heute was sagen möchtest

Tina: Ja, erstmal möchte ich sagen, dass ich mich natürlich ganz herzlich bei allen Freunden und Fans bedanke, die ja dazu beitragen, dass der Titel wieder so erfolgreich war. Meine alten und neuen Produzenten - Jürgen Westphal und Michael Dierks - haben mir den Titel im Studio vorgespielt und ich habe gesagt, "ja, gerne mach ich". Dann habe ich mich auf Mallorca vorbereitet und den Titel gelernt und ihn im Studio dann eingesungen. Da wir kein aktuelles Foto zur Verfügung hatten, aber es schnell raus sollte, haben wir ein sehr schönes Schriftcover gemacht. Wir sind rundum glücklich mit dem Titel.

Fred: Und es ist ja ein Titel, der Dir selber direkt aus der Seele spricht, denn Du hast ja schon viele Down und Tops im Leben erlebt.

Tina: Oh ja, kann man wohl sagen.

Fred: Über dies und Deine Biographie sprechen wir gleich.
Und jetzt kommt ein richtiger Top-Titel von Tina Rainford "Fly away Pretty
Flamingo"

Gespielt " Fly away Pretty Flamingo".

Fred: Und sie ist Gott sei Dank nicht weggeflogen. Tina, jetzt möchten wir Rückblick halten auf Dein doch sehr langes, bewegtes und tolles Leben. Da ist mir eines aufgefallen, als ich Deine Biographie gelesen habe, konntest Du bereits im zarten Alter von 2 Jahren nicht nur schön sprechen , sondern auch wunderschön singen.

Tina: Ich weiß ja nicht, ob das stimmt, denn ich kann mich nicht mehr so gut daran erinnern. Aber ich konnte schon sehr früh sprechen und habe schon sehr früh richtig singen können. Es singen ja alle Kinder, aber ich konnte schon sehr früh eine Melodie halten. Also so singen, dass man auch eine Melodie erkennen konnte.
Und habe dann, daran erinnere ich mich noch gut, mit 5 Jahren in englischen Clubs Weihnachtslieder gesungen.

Fred: Und das in englischer Sprache?

Tina: Und das in englischer Sprache, das hat man uns eingetrichtert.

Fred: Das heißt, Du warst damals schon ein Sprachentalent.

Tina: Nein, Kinder lernen schnell. Ich habe es mit sehr viel Freude gemacht und das  ist wie ein Text lernen. Ich konnte kein Englisch. Ich konnte ja nur die Weihnachtslieder.

Fred: Ich würde Dich gerne bitten, das vorzusingen, aber es ist ja nicht zeitgemäß jetzt.!!!
Warst Du bereits als kleines Kind schon so in Richtung Gedanken "Ich möchte mal ein Musikstar werden"?

Tina:  Nein, eigentlich wollte ich Tänzerin werden. Und der Papa wollte das auch fördern.
Ich habe ganz früh Balettunterricht gehabt und dann lief mir aber wirklich die Musik über den Weg. Ich komme ja aus einer Heilsarmee-Familie. Die Heilsarmee ist ja doch vielen Menschen bekannt und auch bekannt dafür, dass sie sehr schöne und tolle Musik machen. Ich bin als Kind in die Sonntagsschule gegangen und habe auch Gitarrenspielen gelernt. Das beides zusammen war toll.
Ich weiß es gar nicht mehr so genau, woran es wirklich gescheitert ist, dass ich nicht weiter Balettunterricht genommen habe. Ich war zwar klein, aber natürlich auch sehr beweglich.
Aber die Musik war mein Ein und Alles und ich wollte dann eigentlich nur noch Musik machen.

Fred: Und deshalb hast Du dann 1962 beschlossen, bei der Funkausstellung in Berlin bei einem sogenannten Carsting teilzunehmen?

Tina: Nein, das war kein Carsting. Eigentlich war es ein bisschen Karaoke.
Die hatten damals, was auch ganz toll war, ein gläsernes Studio. Und wer singen wollte, der ging dahin. Die hatten Playbacks - damals schon. Und dann konnte man sich aussuchen, welchen Titel man kann und singen möchte. Dann kam man dann vors Mikrophon und rund ums gläserne Studio standen viele Menschen.
Und das habe ich dann auch gemacht.

Fred: Und Du hast Dich dann für die " Kleinen Italiener " entschieden.?

Tina: Ja. Drafi war auch da. Alle, die dort gesungen hatten, konnten ein Tonbandgerät gewinnen.
Die Leute vom Studio kamen und sagten, es wäre ganz toll gewesen und fragten uns, ob wir nicht am nächsten Tag vielleicht zusammen mit seiner Gitarre ein Duett singen könnten.
Wir sahen uns an und verzogen uns in irgendeine Ecke im Studio, haben zwei Lieder eingeübt. Dann haben wir uns am nächsten Tag wieder getroffen und haben in dem gläsernen Studio mit der Gitarre diese zwei Lieder gesungen. Drafi gewann dann das Tonbandgerät.
Es wurde eine Freundschaft, bzw. wir waren ein bisschen verliebt ineinander.
Drafi kam fast jeden Tag zu mir nach Hause mit seiner Gitarre.
Ich habe einen Bruder, der ist 5 Jahre älter als ich.
Mit dieser ganzen Clique saßen wir dann draußen und haben gesungen.
Daraufhin haben die Leute sich beschwert.
Es gab ja schon immer zickige Leute. Wir haben uns dann ein bisschen aus den Augen verloren.
Drafi meldete sich nicht mehr.
Er lieh sich ein Sakko von meinem Bruder, weil er sich irgendwo vorstellen wollte.
Dieses Sakko kam natürlich nie mehr zurück.
Aber Drafi rief ungefähr so ein Jahr später an und sagte: "Ich habe hier Heino Gaze, der hat mit mir eine Platte gemacht".
Das war Teeny. Das war seine erste Schallplatte. "Der sucht noch eine Sängerin. Du musst unbedingt mitkommen".
Und das habe ich gemacht und hatte dann 6 Wochen später meine erste Schallplatte namens "Keine Schule mehr".

Fred: Und damals hieß Du noch nicht Tina Rainford , da warst Du die Peggy Peters.

Tina: Ja, Christa Zalewski war ja nicht so chic. Und wir hatten ja früher alle Künstlernamen.

Fred: Dann würde ich vorschlagen, wir machen jetzt einen Rückblick und hören uns den Titel mal an. "Keine Schule mehr"

Gespielt "Keine Schule mehr"

Fred: Die kleine "Peggy Peters" - heute Tina Rainford - "Keine Schule mehr".Wenn ich jetzt mal ganz frech sein darf und manchmal traue ich mich das. Viel größer bist Du ja heute auch nicht.

Tina: Nein, überhaupt nicht. Ich habe einfach - ich glaube - mit 15 aufgehört zu wachsen mit 1,49.
Also ich bin nicht sehr lang geworden.

Fred: Aber die wahre Größe liegt sowieso im Geist

Tina: Genau - Danke

Fred: Aber das Projekt "Peggy Peters", das hat dann leider doch nicht so gut funktioniert. Aber Du bist trotzdem musikalisch immer sehr aktiv gewesen in den 60er Jahren.
Du hast bei verschiedensten Chören gesungen, wie ich gelesen habe.
Background Werner Müller zum Beispiel oder der Kallmann Chor. Da warst Du auch aktiv.
Und sogar bei Paul Anka hast Du den Background gesungen.

Tina: Ja, er fand es so toll. Ich hatte ja in den Studios, weil ich ja so klein bin, überall meine Kiste.
Und damit ich mit den anderen Chormädchen oder -männern eine Mikrophonhöhe hatte, hatte ich meine Kiste worauf ich stand. Und das fand der Paul Anka , weil er ja auch sehr klein ist, so toll, dass er runtergekommen ist und hat sich mit auf die Kiste gestellt und hat dann mit seinem eigenen Chor
auf dieser Kiste mitgesungen.

Fred: Ich habe es mir gerade so bildlich vorgestellt. Und der Name Tina Rainford, der hat ja auch seinen Ursprung.
Denn Du hast ja 1967 geheiratet Deinen damaligen Mann Pete. Wie habt ihr Euch kennen gelernt?

Tina: Wir haben uns in Berlin kennen gelernt. Ich war mit meiner Band "Rockingstars"  und er mit seiner englischen Band "Backgage". Wir besuchten uns also gegenseitig, wenn wir frei hatten. Ja, dann bot die Band mir an: "Wir suchen eine Sängerin".
Wir gehen aber erstmal nach England". Ob ich nicht Lust hätte.
Natürlich hatte ich sofort Lust. Und auf dieser Fahrt nach England, hat es schon so gekribbelt zwischen dem Pete und mir. Und in England haben wir uns dann auch wirklich verliebt ineinander.
Wie es so manchmal passiert.

Fred: Leider ist es nur ein Lebensabschnittspartner geblieben. Aber ihr habt ja zusammen einige Platten aufgenommen.

Tina: Wir haben einige Sachen aufgenommen, die nicht so wahnsinnig erfolgreich waren.
Allerdings hatten wir einen Titel dabei, mit dem Norman Ascot zusammen.
Da nannten wir uns P.T.N. Mit einem Titel "Come One Everyone" und auch "We can Fly".
Und das war eigentlich mit uns dreien ganz erfolgreich und wir haben sehr, sehr gut stimmlich zusammen gepasst.

Fred: In der damaligen Zeit war es auch wirklich schwierig erfolgreich zu sein. Denn damals haben ja doch die Beatles und auch Rollings Stones das ganze Geschehen bestimmt.

Tina: Ja sicher klar, natürlich.

Fred: Und die Zeit mit Pete ging zu Ende und dafür hat sich Drafi bei Dir wieder gemeldet.
1972 hast Du dann mit Drafi einen Titel aufgenommen, der dann doch - wie ich meine - sehr erfolgreich war.

Tina: Ja, aber das war noch in der "Pete-Zeit". Da haben wir aber noch die Titel mit der Gruppe "WIR" - "David und Goliath" aufgenommen. Kann auch etwas später gewesen sein. Du bist ja so gut vorbereitet,
weil Du die Daten viel besser weißt als ich. Aber mit Drafi habe ich aufgenommen  "Alaska". Früher hatte man ja auch eine B-Seite und die andere Seite hieß: "Lass mich niemals allein".

Fred: Du lässt mich hoffentlich auch nicht allein.
Auch wenn wir jetzt den nächsten Titel spielen mit Drafi Deutscher " Alaska"

Gespielt " Alaska"

Fred: Ein sehr gelungener Titel aus dem Jahre 1972. Drafi Deutscher und Tina Rainford - Alaska .
Tina für Dich ist es irgendwie doch in eine Richtung gegangen,
die Du so gar nicht gewollt hast nach 1972. Denn es ist ziemlich ruhig um Dich geworden.
Du hast dann einen Job angenommen, hast Schuhe und Sonnenbrillen verkauft. Und Du hast gar nicht mehr damit gerechnet, jemals einen Hit landen zu können.

Tina: Nein, das einmal nicht. Ich wollte auch nicht mehr. Ich war nun mittlerweile geschieden, ich war erwachsen.
( Ich werde nie erwachsen.) Ich meinte, ich bin nun alt genug und möchte nicht mehr so Titel singen, mit Texten, die man mir immer gerne gab, für kleine Mädchen.
Es wurde mir auch einiges angeboten, aber ich habe es abgelehnt.
Ich sagte, "Ich fühle mich hier im Moment richtig gut mit meinem Job.
Ich habe ja auf dem Kuhdamm in Berlin Sonnenbrillen verkauft. Ein Wahnsinns-Job.
Ich habe zwei Freunde kennen gelernt, in dieser Zeit, mit denen ich heute noch befreundet bin, was also ganz toll ist.
Dann rief Drafi an und fragte "Möchtest Du eine Platte machen? Und ich sagte, "Drafi eigentlich nicht".
"Ja, aber es wäre ein Supertitel für Dich". " O.k. schick mir ein Ticket, ich komme.
Aber sei nicht sauer, wenn ich es nicht mache". "Ja, alles klar, Mütterchen". Er sagte ja immer Mütterchen.
Und das war Silverbird.

Fred: Ganz, ganz großer Erfolg. Zunächst wurde er ja nur in Englisch aufgenommen. Ich würde vorschlagen, wir plaudern gleich über den Silverbird. Wir hören uns den Titel zunächst an. Er ist ja ein Welthit geworden.
Mehr als 3 Millionen verkaufter Einheiten sprechen für sich.

Gespielt "Silverbird"

Fred: Er ist jetzt geflogen hier bei mir auf Radio MDU im Schlagerrendezvous.
Tina Rainford weiterhin bei mir am Telefon.
Tina, der Silverbird war ja ein ganz, ganz großer Erfolg für Dich. Juni 1976 hast Du diesen Titel mit Drafi aufgenommen.
Im November warst Du dann auch schon in den diversen Fernsehstationen in der Hitparade.
Und der Titel hat Dich dann sogar nach Amerika geführt.

Tina: Ja, dass es jetzt in Deutschland aber ein Riesenerfolg wurde, gibt es auch in Deutsch eine Aufnahme, sonst hätte ich ja nicht in die Hitparade gekonnt. Das war ja schon riesig.
Dass es aber in Amerika so ein großer Erfolg wurde und Drafi und ich eingeladen wurden nach Nashville
zu dem riesigen Country-Festival, was immer einmal im Jahr dort stattfindet.
Da kommen die D.J. aus dem ganzen Land und das ist ein riesiges Fest und Spektakel in der Grand Ole Opry.
Und da durfte ich wirklich dabei sein und auftreten mit
Jonny Cash, Tammy Wynette, Bobby Baer, Lynn Andersen, Olivia Newton-John, Billy Joe Spears und vielen anderen.
Das schönste war ja, ich kannte diese großen amerikanischen Country-Stars ja gar nicht.
Weil ich ja mit der Countryszene Amerika gar nichts zu tun hatte.
Aber mein damaliger Lebensgefährte, der Mario Aita, kannte die alle. Er war seit Jahren ein Countryfreak.
Und wenn ich den anrief aus Nashville und sagte "Du ich war heute bei Tammy Wynette zu Hause zum Essen".
Der ist wahnsinnig geworden. Und mir sagte es erstmal gar nichts.
Aber ich habe dann natürlich ganz schnell drüben gelernt, was das absolut für Hearows für Amerika war.
Es war eine riesige Ehre für mich, dann dort auch auftreten zu dürfen.

Fred: Für Dich war das alles mit Sicherheit ein ganz tolles Erlebnis. Aber war es vielleicht irgendwie zu schnell, dass Du zu schnell Deinen Höhepunkt erreicht hattest.
Denn Du hast ja Probleme bekommen und bist nach Silverbird später dann in ein tiefes Loch gefallen.

Tina: Ja, ich glaube mal, dass es gar nicht direkt damit zu tun hatte.
Ich meine, ich habe ja mich kennenlernen dürfen im Laufe der vielen Jahre.
Ich bin eigentlich ein Suchtmensch. Ich kann jetzt gut damit umgehen.
Aber ich konnte nie in meinem Leben etwas normal machen.
Also wenn ich Sport gemacht habe, dann immer bis zum Umfallen.
Andere Leute sagen "ich laufe mal ein bisschen". Nein, bei mir war es immer volle Kanne oder gar nichts.
Mit den Auftritten, das war alles ein bisschen viel.
Und dann hat man auch Kollegen, die sagen "komm trink doch mal einen Cognac vorm Auftritt, dann geht es Dir besser".
Ja, und dann dieser Grat von einem Cognac zum mehr, sehr schmal. Es gibt viele Kollegen, die diesen Grat überstanden haben.
Es gibt aber auch viele, so wie ich, die reingefallen sind. Das habe ich mit einer Therapie geschafft.
Ich war sechs Wochen in einer Therapie in einem jüdischen Krankenhaus in Berlin, und toi, toi,. toi.
Das war eine meiner allerbesten Entscheidung in meinem Leben.
Und seitdem bin ich trocken, clean und es geht mir gut.

Fred: Und wie ich meine ist nicht Silverbird Dein größter Erfolg, sondern das, dass Du das geschafft hast.

Tina: Das ist eine tolle Sache. Da bin ich auch jeden Tag aufs Neue dankbar dafür.

Fred: Dann würde ich vorschlagen, wir lassen den Silverbird wieder davonfliegen.
Der nächste Titel, der jetzt an die Reihe kommt ist "Bye, bye Silverbird".

Gespielt "Bye, bye Silverbird"

Fred: Wir haben uns von den Silverbird jetzt verabschiedet musikalisch mit Tina Rainford.
Der Titel, war das auch selbst mal ein Anliegen, weil du den Titel gesungen hast.?
Denn der "Bye, bye Silverbird" hört sich so an, als möchtest Du eine Zeit irgendwie verabschieden.

Tina: Die Zeit, nicht den Silverbird. Ich meine den Titel singe ich nach wie vor auf der Bühne, den singe ich nach wie vor gerne. Aber eine Zeit, die lange zurück liegt, die auch heute gar nicht mehr zu mir passt. Und da passte der Titel "Bye, bye Silverbird" wirklich sehr, sehr gut. Ich meine "Silverbird" war ja nicht nur gut.
Und dieses sehr, sehr im Rampenlicht stehen, ist auch nicht immer nur toll.
Natürlich gibt es auch Tränen und, und, und.. Ich denke, diese Zeit habe ich sehr schön mit "Bye bye Silverbird" verabschiedet.

Fred: Was ich mich frage. Du hast Dich nach einem erfolgreichen Album, das Du mit Drafi produziert hast, von Drafi musikalisch verabschiedet und bist dann gewechselt zu Ralf Siegel. Warum eigentlich?

Tina: Es sind alles so firmenpolitische Sachen. Eigentlich habe ich auch in Amerika ein Album aufgenommen, ohne Drafi. Drafi kam nicht mehr "zu Potte", wie wir Berliner so schön sagen. Es wurden wirklich händeringend Titel gebraucht und selbstverständlich als allererstes von Drafi. Drafi aber hatte keine Zeit oder auch keine Lust. Wie auch immer. Er war ja auch in einer komplizierten Phase - damals, mit sehr viel Geld. In Amerika gelebt - teilweise und es kam einmal nichts rum.
O.k. und da mußten wir andere Wege gehen und uns andere Leute suchen.
Herr Siegel wollte eigentlich auch schon immer internationalen Erfolg.
Den hat natürlich "Silverbird" gereizt. Nur leider war nichts mit Herrn Siegel und mir.
Wir haben schöne Titel aufgenommen, aber es war halt in Amerika kein Erfolg zu kriegen damit.

Fred: Ja und ein Titel war davon "Never change a Winning Team" und danach hätte man sich richten sollen.

Tina: Ja, aber es war nicht möglich, es kam ja gar nichts, leider.

Fred: Die 80er Jahre sind dann gekommen und es wurde doch auf der einen Seite ziemlich still um Dich. Aber auf der anderen Seite hast Du doch Deine Erfolge erzielen können. So bist Du zum Beispiel in der DDR aufgetreten und es war ziemlich erfolgreich. Es war immer ausverkauft.

Tina: Ja aber es war toll. Es hat irre Spaß gemacht in der DDR zu arbeiten. Erstmal war es ein tolles Publikum, die sehr, sehr dankbar waren. Dann waren es tolle Musiker, denen man Noten hingelegt hat und die haben auch wirklich gespielt, was drauf stand.
Es hat viel, viel Spaß gemacht. Ich meine, es gab viele Dinge. Die DDR-
Tourneen waren nicht unbedingt so bequem, denn die Hotels waren nicht so.
Ich sage es mal so banal. Ich bin natürlich, nachdem das erste Mal ganz furchtbar war, und ich nicht darauf vorbereitet war, was es alles nicht gab, bin ich mit "Clohpapier" in die nächste DDR- Tournee gegangen. Da gab es halt Dinge, die es nie gab. Ich habe mich mit den Musikern immer sehr gut verstanden. Die hatten wunderschöne Autogrammkarten in schwarzweiss Hochglanz. Und hatten aber nichts, was darauf schrieb. Also habe ich denen unsere Filzschreiber mitgenommen. Oder Beleuchtungsfolie ganz einfache. Rot, grün, blaue, gelbe Plastikfolie gab es nicht.
Es gab keine Gitarrenseiten. Im Austausch , die haben mir Arrangements geschrieben und ich bin immer bepackt dann in die DDR gefahren.
Schön, es war eine tolle Sache ein tolles Erlebnis und es hat auch viel Spaß gemacht.

Fred: Ja , liebe Tina, wir müssen uns jetzt ein wenig sputen. Denn Du hast ja einen vollen Terminkalender. Deshalb jetzt der nächste Titel. "Wenn Sterne fallen". Ein Titel, den Du Dir selbst gewünscht hast.

Tina: Ja, der Titel ist natürlich, so wie das Leben spielt. Ich bin ja jetzt zum zweitenmal verheiratet. Es gab ja auch zwischendrin die Lebensabschnittsgefährten. Man merkt ja natürlich immer, wenn man etwas nicht mehr hat, was man vorher hatte. Und da denke ich, kommt dieser Titel gut rüber. Ich habe ihn wirklich mit sehr, sehr viel Herz und sehr viel Leidenschaft gesungen und ich glaube, das hört man auch.

Gespielt "Wenn Sterne fallen"

Fred: Tina Rainford "Wenn Sterne fallen".
Tina, in den 90er Jahren hast Du dann wieder Plattenproduktionen gemacht.

Tina: Ja, eine ganze Menge.

Fred: Und damals ist es auch wieder in Richtung Country gegangen.

Tina: Nein, eigentlich mehr Schlager, so poppige, tanzbare, nette schöne Schlager.

Fred: Und damit hast Du dann wieder die ersten Erfolge nach längerer Zeit erzielen können. Oder täusch ich mich da.

Tina: Ja, natürlich

Fred: In den Hitparaden warst Du dann wieder vetreten und das war ja dann wieder wichtig.
Denn Gott sei Dank hat man die Tina Rainford nicht vergessen.

Tina: Nein, ich kann das wirklich immer nur wieder sagen. Amerika, das war alles toll. Das war aufregend. Es war eine absolute Ehre da drüben diesen Country Award-Preis zu kriegen. Aber die haben mich längst vergessen. Aber mein deutsches, auch das österreichische Publikum ist mir treu geblieben und dafür kann ich mich nur immer wieder bedanken.

Fred: Du hast ja eine Zeit lang in Österreich gelebt.

Tina: Ja, sieben Jahre lang

Fred: Was hat Dich damals nach Österreich verschlagen?

Tina: Ein Mann

Fred: Immer die Männer ! Schade, dass wir uns damals nicht kennen gelernt haben.
Ich hätte Dich gerne mal live auf der Bühne gesehen. Vielleicht kommt es ja doch irgendwann noch. Ich muß langsam immer wieder auf die Uhr schauen. Aber ich muß unbedingt noch zwei Titel unterbringen. Und deshalb gibt es jetzt den nächsten Titel, es ist auch ein Titel, der zu uns allen passt: Nämlich "Nobody ´s perfect", den Du Dir auch selber gewünscht hast.

Gespielt: "Nobody´ s perfect"

Fred: Tina Rainford ist noch am Telefon. Zwei Titel kommen jetzt wieder an die Reihe.
Nun möchte ich über einen Menschen sprechen, der viel zu früh von uns
gegangen ist, nämlich am 09. Juni 2006 - Drafi Deutscher.
Ein Lebensfreund für Dich. Wenn Du jetzt den Drafi für Dich persönlich
charakterisieren sollst, wie würdest Du es machen?

Tina: Wir waren ja nun befreundet, seit wir beide 14 oder 15 Jahre alt waren. Diese Freundschaft mit Unterbrechungen ist ja geblieben. Und Drafi lebte ja auch die letzten 5 Jahre hier auf der Insel. Und wir haben uns oft getroffen. Drafi war auch hier bei uns auf der Finka mit Bernd Kleinschmidt, damals seinen Manager. Mein Mann Ralph spricht ja leider kein deutsch, er ist ja Engländer. Und da Drafi hervorragend englisch sprach, war das kein Problem, dass wir uns zusammen trafen.
Auch mit Jürgen Westphal, der ja jetzt wieder mein jetziger Produzent ist und auch mit Michael Dierks zusammen. Auch die sprechen hervorragend englisch. So dass wir uns auch zusammen getroffen haben.
Drafi war so ein Mensch. Früher habe ich immer gedacht. Es gibt zwei Drafis. Es gibt einen Schatz und es gibt einen Drafi, den man an die Wand klatschen könnte.
Drafi ist in den letzten Jahren sehr, sehr ruhig geworden. Ich musste ein Angebot ausschlagen. Drafi machte mir einen Heiratsantrag. Das war natürlich alles viel zu spät. Ich denke mal, aus einer Weinlaune heraus. Obwohl er meinen Mann schon kannte, mit dem ich noch nicht verheiratet war.
Wir hatten ein sehr nettes, intimes Verhältnis, über diese vielen Jahre hinweg.

Fred: Was bleibt für Dich von Drafi?

Tina: Für mich bleibt erstmal ein Loch, eine Leere. Ich bin des öfteren in Alcudia in der Straße lang, wo er wohnte. Weil ich es einfach noch nicht so richtig fassen kann.
Es tut mir immer weh, wenn ich da lang muß. Ansonsten hoffe ich, dass er
unvergessen bleibt. Er war ja ein wahnsinnig guter Künstler, ein hervorragender Sänger, ein toller Komponist und Texter und dass man ihn nicht vergisst.

Fred: Und deshalb gibt es jetzt Drafi Deutscher im Duett mit Tina Rainford "The last mile"

Gespielt : "THE LAST MILE"

Fred: Drafi Deutscher im Duett mit Tina Rainford "The last mile".
Und zum letzten Mal habe ich jetzt leider die Tina Rainford schon am Telefon.
Die Zeit vergeht ja viel zu schnell. Tina , ich möchte Dir jetzt Gelegenheit geben, Werbung zu machen für Deine Produkte, für Deine Homepage, für Deine Fanclubs, Du kannst die Fans grüßen. Jetzt kannst Du all das machen, was Du jetzt gerne machen möchtest, wonach Dir jetzt ist.

Tina: Also erstmal möchte ich all meine Freunde und Fans grüßen, mich bei Ihnen bedanken, dass sie nach wie vor so treu sind und dass sie meine Lieder mögen.
Ich singe sie natürlich nicht nur für mich.
Ihr könnt gerne auf meine Homepage gehen, die da lautet:
www.tinarainford.page.ms. Da gibt es natürlich auch ein Gästebuch und ich freue mich für jeden, der da was rein schreibt.

Fred: Tina, was ist Deine nächste Zielsetzung. Wird es auch ein Album geben?

Tina: Ja, wir sind dabei - Jürgen Westphal , Michael Dierks und ich - Titel zusammen zu stellen und Titel zu suchen. Der nächste neue Titel wird in ca. vier Wochen erscheinen.
Wir arbeiten auf ein Album hin. Das geht natürlich nicht so furchtbar schnell. Aber ich denke mal im nächsten Jahr wird es soweit sein, vielleicht auch Ende dieses Jahres.
Und der nächste Titel, der wird heißen: "Wie soll ich träumen ohne dich".

Fred: Das denke ich mir jetzt auch. "Wie soll ich träumen ohne dich?"
Was sind Deine großen Träume. Was möchtest Du Dir noch erfüllen?

Tina: Eigentlich sind alle meine Träume ja in meiner Karriere erfüllt worden. Einen so
großen Hit zu haben, das ist natürlich Wahnsinn. Ich wünsche mir, dass ich weiterhin toi, toi, toi - so gesund bleibe, meine Auftritte und Konzerte machen kann und persönlich mit meinen Freunden und Fans zusammen treffen. Das ist eigentlich das Wichtigste und natürlich Gesundheit.

Fred: Das ist all das was ich Dir auch von ganzen Herzen wünsche. Liebe Tina, ich sag ganz lieb Dankeschön für das nette Gespräch. Ich würde mich freuen, wenn wir egebenenfalls demnächst wieder plaudern können . Dann hast vielleicht mehr Zeit.
Wir haben noch so viel zu besprechen. Einstweilen ganz viel Gesundheit und lass dich aus der Ferne ganz lieb knuddeln.

Tina: Ich bedanke mich auch für dieses tolle Gespräch . Es hat mir sehr, sehr viel Freude gemacht . Ich möchte noch mal alle ganz lieb grüßen und ich knuddel Dich auch.




              Tina und Drafi










          Tina mit Tammy Wynette in Nashville





        Country - Award







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